Andreas Fritz

21:43 Uhr, Ferienhaus in Schweden (Småland)

 

Ich sitze an einem viereckigen Holztisch und schaue bei geöffnetem Fenster hinaus in den Wald.

Es riecht so wunderbar gut, die Luft ist rein und weich, ganz anders als bei uns im Süden Deutschlands.

Vorhin drehte ich mit meinem Kajak eine Runde auf dem nahen See. Ruhe, Stille.. nur das Eintauchen der Ruder ins moorig braune Wasser war zu hören.

 

Nach Schweden reise ich fast jedes Jahr und nehme mir eine Auszeit vom Beruf. Ich freue mich auf einigermaßen geregelte Zeiten. Da klingelt endlich mal kein Wecker nachts um 3 Uhr.

Es ist das gewählte Los eines Schichtlers, Triebfahrzeugführers (Lokführer) bei der Deutschen Bahn.

Trotz aller Strapazen mag ich meinen Beruf. Mein Faible für Uhrzeiten ist in diesem Tätigkeitsfeld gut aufgehoben, ich tobe mich da regelrecht aus *grins*

(wir haben es jetzt 21:58 Uhr)

 

Neben meiner Leidenschaft für Züge, Uhrzeiten und Bahnen, spielt das Radio eine große Rolle in meinem Leben. Früher spielte es Musik, heute bevorzuge ich Wortprogramme. Anders als im Fernsehen, wo ich Bilder vorgesetzt bekomme, spielt das Radio an meine Phantasie - die so im Kopf entstehenden Bilder, ausgelöst durch Geräusche und damit verbundene persönliche Erinnerungen, faszinieren mich.

 

Hörbilder -

Atmosphäre an einem Ort aufnehmen, aufschreiben (notieren) was ich sehe, quasi live, danach ins Mikrofon erzählen, kurze Notate, skizzieren, das will ich tun.

 

Der französische Autor Georges Perec trifft meinen Nerv und mein Herz. Ich zitiere ihn:

 

"Was uns ansprichst, ist wie mir scheint, immer das Ereignis, das Ungewöhnliche, das Außergewöhnliche.

Wo ist das, was wirklich geschieht, das, was wir erleben, das Übrige, alles Übrige?

Das was jeden Tag geschieht und jeden Tag wiederkehrt, das Banale, das Alltägliche, das Selbstverständliche, das Allgemeine, das Gewöhnliche, das Hintergrundgeräusch, das Übliche, wie soll man sich seiner bewusst werden, wie soll man es befragen, wie es beschreiben?"

(aus: Versuch, einen Platz in Paris zu erfassen)

 

Als Triebfahrzeugführer und vollblut Eisenbahner rangieren Themen aus dem Genre Verkehr häufig ganz vorn in meinen Hörbildern, kurzum: Wir sind unterwegs!

 

Noch genieße ich meinen Urlaub in Schweden, mit seinen Wäldern, Seen, Weiden und leichten Hügeln, Köttbullars, Buttermilch (Filmjölk), Elche und vor allem Ruhe.

Aber ich komme zurück. Und mit Aufnahmegerät, Mikrofon und Notizblock geht es auf die Suche nach neuen interessanten Hörbildern - Stoffe für´s Fritzsche Kopfkino.

 

Danke für Dein Interesse!

Frohes Hören :)

 

Schweden im Juni 2018

 

 

PS: Die meisten meiner Aufnahmen sind im Verfahren "Binaural" erstellt. Das bedeutet, ich trage die Mikrofone auf den Ohren (eines rechts am Ohr und eines links). Dabei entsteht ein sehr realistisches breites Stereobild, welches dem eigenen Hören am nächsten kommt. Wer die Aufnahmen anhört, hört mit meinen Ohren, es ensteht eine Art 3D Hörerlebnis, was sich nachweislich am besten über einen Kopfhörer (am besten geschlossenen) wiedergibt. Durch diese Technik ist es möglich, ganz eingehüllt vom Sound und der Atmosphäre, das Hörbild aufzunehmen.